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Diese Frau lässt sich nicht aufhalten

Sie hat mit Til Schweiger und Iris Berben gedreht, Filmpreise eingeheimst, aber glücklich war sie nicht. Die Diagnose „Zöliakie“ gab schließlich den Anstoß, dass Schauspielerin Ava Celik umsattelte: Seit einem knappen Jahr ist sie Besitzerin von „Aera Bread“ in Berlin-Charlottenburg. Wir sprechen mit ihr über die Selbständigkeit, männliche Vorurteile und eine hilfreiche Gesetzeslücke.

Ava Celik im Interview

Redaktion :2014 wurde bei Ihnen eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert und Sie fingen zu Hause an, Ihr eigenes Brot zu backen. Stand da schon für Sie fest, dass Sie richtig unter die professionellen Bäcker gehen würden?

Ava Celik :Ich hatte schon lange festgestellt, dass die Schauspielerei nicht meinem Wesen entsprach. Man arbeitet da nach den Vorstellungen anderer Leute und kann nicht wirklich mitentwickeln. Genau das aber wollte ich: tüfteln, kreieren, selbst Verantwortung tragen. Während ich überlegte, was eine berufliche Alternative sein könnte, backte ich wegen meiner Krankheit nebenbei Brot. Ich feilte an meinen Rezepten und teilte die Entwicklung über Instagram. Das alles nahm immer mehr Fahrt auf. Ich habe gemerkt, dass viele das gleiche Problem haben wie ich. Also bekam ich immer mehr Zuspruch – so fing es an.

Redaktion :Wie gingen Sie vor, von wem haben Sie sich Rat eingeholt?

Ava Celik :Ich bespreche viel mit meinem Partner und ein gutes Vorbild ist mir mein Vater. Als er vor Jahrzehnten aus Istanbul nach Deutschland kam, hatte er keinen Pfennig. Seine Ausbildung wurde nicht anerkannt, er fing von Null an. Aber weil er sich Ziele gesetzt hat, hat er mit der Zeit ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in der Stahlverarbeitung aufbauen können. Nach 20 Jahren hat er im Zuge der Wirtschaftskrise und der Globalisierung wieder alles verloren, aber das ist eine unfassbare Erfahrung, die ihn weiser gemacht hat. Scheitern ist viel zu verkannt, es ist lehrsam und lässt uns wachsen. Einmal mehr aufstehen als man hinfällt, war auch das Credo, was ich von zu Hause mitbekommen habe.

Redaktion :Sie hatten keine Bäckerausbildung. Die aber die braucht man doch für einen eigenen Laden, oder?

Ava Celik :Man braucht sogar einen Meister. Weil ich aber selbst der Meister sein wollte, recherchierte ich und entdeckte eine Lücke in der Handwerksordnung, in die man in Ausnahmefällen stoßen kann. Unter anderem, wenn die eigene Gesundheit eine normale Ausbildung nicht zulässt. Mehlstaub und ich – das ging nicht zusammen. Also holte ich ein ärztliches Attest ein und legte die Prüfung ab, theoretisch und praktisch.

Redaktion :Es gibt viele Wege, sich seine eigene Firma aufzubauen, welche sind Sie gegangen?

Ava Celik :Ich habe am Anfang auch überlegt: Versuche ich es alleine, suche ich einen Investor oder mache ich es mit der Bank? Ich hatte zuerst einen Investor, aber einen Tag vor der Unterschrift fragte er mich, ob ich nicht lieber nur die Rezepte machen will. Das wäre doch alles ganz schön viel für mich, er würde sich ums Geschäft kümmern. Das habe ich sofort abgesagt – ohne eine Alternative zu haben. Ich wollte selbst der Chef sein. Am Ende habe ich mir Geld von der Familie und von der Bank geliehen. Alles in allem einen sechsstelligen Betrag. Über eine Fundraising-Aktion im Internet habe ich auch noch etwas Geld eingenommen; dieses floss dann in die Ausarbeitung meines Businessplans.

Redaktion :Hatten Sie zwischendurch auch mal Angst vor der Gründung?

Ava Celik :Ich glaube, dass die Leute um mich herum mehr Angst hatten (lacht). Bevor ich richtig losgelegt habe, habe ich mir natürlich auch Gedanken gemacht, ob das richtig ist, wie es wird und so weiter. Aber mit dem ersten Schritt habe ich den Schalter umgelegt und einfach gemacht. Wenn man Angst vorm Scheitern hat, sollte man sich sowieso nicht selbständig machen. So einfach ist das. Und natürlich musste ich auch Vorurteile niederkämpfen, männliche unter Anderem. Nach dem Motto „Na, ob die Kleene dit schafft?!“ Aber so klein wie ich bin, so eigen bin ich auch. Und so zäh.

Redaktion :Jetzt sind Sie also Chefin und müssen führen. Wie läuft’s?

Ava Celik :Anfangs habe ich Fehler gemacht, musste öfter mal das Personal wechseln. Jetzt ist es gut, ich habe sieben motivierte Leute an meiner Seite. Um eine gute Chefin zu sein, habe ich mir Wissen angeeignet und mir zum Beispiel die Harvard-Vorlesung zum Thema „Psychology of Leadership” angeschaut, das sind 30 Vorlesungen a 70 Minuten. Außerdem habe ich Bücher wie „Good to Great“ oder „Start with Why“ gelesen (siehe unten). Auch Biografien über Frauen in Führungspositionen lagen auf meinem Nachttisch.

Redaktion :Wie sieht Ihr Tag heute aus?

Ava Celik :Er ist voll und beginnt sehr zeitig. Aber ich bin gern Workaholic, es macht mir also nichts aus. Und wenn ich es richtig anstelle, werde ich mich später ja auch wieder rausziehen können. Und mich um unsere Filialen zu kümmern. (lacht)

Avas Buchtipps

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Mein Tipp: „Nein“ sagen lernen

Erstmal „Nein“ sagen, wenn alle auf dich einströmen und etwas von dir wollen. Ob Ratschlaggeber, Geldgeber, Zeitungen: nichts überstürzen, sondern innehalten und nachdenken. „Nein“ zu sagen fällt manchmal schwer, aber es stärkt ungemein das Selbstwertgefühl, denn man hat die Dinge in die Hand und wird nicht fremdgesteuert!

Aera Bread findet ihr in der Fasanenstraße 74 in Berlin-Charlottenburg und für alle Nicht-Berliner auch bei Instagram!

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