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Frauen, der Markt braucht euch!

Die Soziologin Prof. Dr. Christiane Funken ist überzeugt: Der Arbeitsmarkt der Zukunft gehört den Frauen. Denn Unternehmen sind auf ihre Fähigkeiten angewiesen: Frauen können oft besser integrieren, sind sozialer und flexibler, sagt die Autorin des Buches „Sheconomy“ in unserem Interview. Ihr Plädoyer: Habt Mut, Mädels und verkauft euch nicht unter Wert! Bye-bye, old Boys!

Prof. Dr. Christiane Funken im Interview

Redaktion :Noch nie waren Frauen so gut ausgebildet wie heute. Aber in den Chefetagen kommen sie nur selten an. Woran liegt das?

Prof. Dr. Christiane Funken:Bis ins mittlere Management ist der Frauenanteil relativ stark angestiegen. Viele Führungskräfte finden es ‚schick’, Frauen zu fördern, es gehört zum guten Ton. Dann aber stoßen Frauen an die berühmte gläserne Decke und es geht nicht mehr weiter. Das Problem ist: Je höher die zu besetzende Position in der Führungspyramide ist, desto informeller werden die Auswahlkriterien. Topmanager schlagen dann für offene Positionen häufig Männer aus ihren sozialen Netzwerken vor. So nach dem Motto: „Mit dem bin ich im Golf-Club, den kenn’ ich noch aus der Bundeswehr, das ist der Sohn eines alten Freundes“.

Redaktion :Klassische Old-Boys-Netzwerke!

Prof. Dr. Christiane Funken:Exakt! Das Prinzip ist: Die hochrangigen männlichen Führungskräfte wählen diejenigen aus, die ihnen ähnlich sind, die quasi aus dem gleichen „Stall“ kommen. Aus deren Sicht macht das auch durchaus Sinn: Je ähnlicher man sich ist, desto informeller kann man miteinander kommunizieren. Da reicht im Prinzip ein Kopfnicken und der andere weiß, was gemeint ist. Für diese hochrangigen Männer sind Frauen als Kolleginnen, also auf gleicher Augenhöhe eher fremd, sie können sie oftmals nicht einschätzen. Reagiert die auch auf ein Kopfnicken? Spielt sie unsere Spiele mit? Dieses Risiko vermeiden Männer und lassen Frauen gar nicht erst in die eigenen Reihen.

Redaktion :Ein paar Frauen gibt es natürlich schon auf Vorstandsebene großer Konzerne.

Prof. Dr. Christiane Funken:Natürlich, aber selbst wenn Frauen es vereinzelt ins Topmanagement oder gar in den Vorstand schaffen, bleiben sie zumeist „auf verlorenem Posten“, das heißt sie werden bei Entscheidungen außen vorgelassen. Ich habe mit vielen Frauen in Spitzenpositionen gesprochen und sie alle erzählten, dass sie nicht wirklich in die Informationsprozesse eingebunden werden. Im Gegenteil, die Kollegen bleiben bewusst „unter sich“ und besprechen sich allein, zum Beispiel am Telefon, beim Bierchen oder beim Golf, um nur einige Beispiele zu nennen. Die große Klage vieler Topmanagerinnen war: „Ich habe zwar die Position, aber nicht die Macht, die dazu gehört“.

Redaktion :Stehen sich Frauen vielleicht auch manchmal selbst im Weg? Wollen sie überhaupt Karriere machen?

Prof. Dr. Christiane Funken:Natürlich wollen viele Frauen heutzutage ein erfülltes Berufsleben haben und auch Karriere machen! Aber so, wie es momentan in den oberen Etagen abläuft, ist das kaum möglich. Da geht es hauptberuflich um Machterwerb und Machterhalt, Ellbogen und Intrigen sind an der Tagesordnung. Viele Frauen wollen das nicht. Außerdem lassen Sie sich zu stark vom männlichen Machtgehabe verängstigen und trauen sich nicht viel zu. Das ist fatal, denn die Kompetenzen von Frauen sind ein Marktwert. Das müssen sie erkennen und selbstbewusst auftreten!

Redaktion :Welche Kompetenzen sind das?

Prof. Dr. Christiane Funken:Zukünftig brauchen wir immer mehr Sozialkompetenzen, also genau die Eigenschaften, die Computer nicht besitzen. Hier können Frauen punkten, denn es wird immer mehr darum gehen, schwierige Teams zu integrieren, Konflikte zu lösen, sensibel Situationen zu meistern und flexibel auf stets neue Herausforderungen zu reagieren. Das beherrschen Frauen, dazu sind sie erzogen. Außerdem haben sie gelernt, sich was einfallen zu lassen, wenn sie wichtige Termine haben und das Kind 40 Fieber hat. Auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft werden diese Kompetenzen die Schlüsselqualifikationen sein!

Redaktion :Die Globalisierung und zunehmende Digitalisierung spielen den Frauen in die Hände?

Prof. Dr. Christiane Funken:Ja! Da Routinetätigkeiten in Zukunft vom Computer übernommen werden, geht es in den Unternehmen mehr und mehr um agiles Arbeiten. In Projekten werden Fachkräfte aus verschiedenen Abteilungen zusammengezogen, um gemeinsam eine Problemlösung für einen Kunden zu entwickeln. Das können Computer eben nicht! Frauen können hier ihre große Stärke ausspielen und mit feinfühliger Kommunikation und Integrationsstärke die unterschiedlichen Fachkulturen zusammenführen.

Redaktion :Dann gehört der Arbeitsmarkt der Zukunft den Frauen?

Prof. Dr. Christiane Funken:Alles spricht dafür! Obwohl wir auf dem Gebiet noch ein Entwicklungsland sind. In den USA sind ca. 25 Prozent der Vorstände weiblich, in Deutschland sind es knapp 6 Prozent. Das ist erschreckend, denn so viel ist klar und nachweisbar: Frauen sind für die Arbeit der Zukunft notwendig!

Redaktion :Also Sie sind optimistisch, dass sich das ändert?

Prof. Dr. Christiane Funken:Ganz klar: ja! Die Arbeitswelt verändert sich rapide und moderne Unternehmen sind schlichtweg auf die Kompetenzen der Frauen angewiesen. Drei Botschaften möchte ich den Leserinnen daher mit auf den Weg geben: Habt Selbstvertrauen! Verkauft euch nicht unter Wert! Der Markt braucht euch!

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Prof. Dr. Christiane Funken, geb. 1953, ist eine renommierte Professorin der Medien- und Geschlechtersoziologie an der Technischen Universität Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen vor allem die Kommunikations- und Mediensoziologie, die Organisationssoziologie, die Geschlechterforschung und die Wissenschafts- und Technikforschung. Dieses Buch basiert auf ihren empirischen Studien zu Karrierestrategien und -chancen von Frauen: Generation 35plus – Aufstieg oder Ausstieg? Hochqualifizierte Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft und Managerinnen 50plus – Karriere, Einstellungen, Erfahrungen und Motivation von Managerinnen um die 50. Sie ist Expertin im Forum Informationsgesellschaft der Bundesregierung sowie Kuratorin des Königlich Preußischen Kulturbesitzes. Sie lebt in Berlin.

Copyright Portrait: Gudrun Petersen

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