judith williams fünf dinge, die corona in unserer gesellschaft verändert

Fünf Dinge, die Corona in unserer Gesellschaft verändert

Nach und nach werden zwar die Einschnitte gelockert, aber natürlich sind wir immer noch meilenweit von einem Normalzustand entfernt. Mir kommt es immer noch surreal vor, was gerade passiert. Wie werden wir im Nachhinein auf die Corona-Zeit zurückblicken? Und was wird sich langfristig durch sie verändern? Zeit für eine erste Bilanz – und einen Ausblick in die Zukunft.

Die New York Times prophezeite bereits: Wahrscheinlich steht uns eine neue Zeitrechnung bevor – BC und AC. Before-Corona und After-Corona. Wie aber wird sie aussehen, die Welt danach? Hier kommen fünf Gedanken dazu, die ich euch heute gerne mitgeben würde.

1. Die große Zeit der Reflektion

Vielleicht kann man Corona als Selbsterfahrungskurs für Fortgeschrittene bezeichnen. Nie zuvor wurde man in einer derartigen Heftigkeit auf das Wesentlichste zurückgeworfen und wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die während dieser Zeit viel über das Leben nachgedacht hat. Bei mir kamen mal eben alle Themen auf den Tisch, die das Leben so bereithält: Wie will ich leben? Wie will ich arbeiten? Verbringe ich genug Zeit mit meinen Liebsten? Was ist mir wirklich wichtig im Leben?

Nicht immer war ich zufrieden mit der jeweiligen Antwort. Aber ich bin dankbar, dass ich ganz neue Einblicke in mich und mein Seelenheil bekommen habe. Viele werden nach Corona wahrscheinlich bewusster leben – sei es im Umgang mit sich selbst oder anderen, im Konsum oder der Art und Weise wie wir gewisse Dinge angehen. Ich hoffe, dass wir alle irgendwann zurückblicken werden und sagen können: Das habe ich durch Corona gelernt.

2. Nur außerhalb der Komfortzone wachsen wir

Krisen werden von jedem anders wahrgenommen. Als ich mit meiner Mutter über Corona sprach, sagte sie – und natürlich hatte sie Recht – dass Generationen vor uns schon Schlimmeres durchgestanden haben. Die Frage ist immer, wie wir mit solchen Herausforderungen umgehen. Wer schon einmal ums Überleben gekämpft hat, dem wird es gerade leichter fallen. Wer sehr behütet war, hat wahrscheinlich einen sehr großen Schock erlebt. Es kommt immer auf die Perspektive an. Was wir aber alle gerade erfahren: Das Leben hält Herausforderungen für uns bereit und verlangt uns einiges ab. Plötzlich werden wir aus den gewohnten Bahnen gerissen und müssen irgendwie damit klarkommen. Und ich bin mir sicher: Diese Krise macht uns stärker! Im Schnelldurchlauf müssen wir eine Stärke, Kraft und Resilienz entwickeln, die wir innerhalb der eigenen Komfortzone nicht erreicht hätten. Man muss sich das wie ein Muskel vorstellen, der erschlafft, wenn wir es allzu bequem haben. Zugegeben: Corona hätte uns das Trainingsprogramm auch etwas leichter machen können, aber es ist jetzt keine Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Das Leben hat seine Herausforderungen für uns, oh ja. Es ist nicht immer bequem und kann auch richtig unangenehm sein. Aber wenn wir uns unseren Ängsten stellen, werden wir über uns hinauswachsen!

Im Schnelldurchlauf müssen wir eine Stärke, Kraft und Resilienz entwickeln, die wir innerhalb der eigenen Komfortzone nicht erreicht hätten.

Judith Williams

3. Firmen werden gezwungen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken

Genau wie jeder Einzelne sind Unternehmen vor unglaubliche Herausforderungen gestellt. Vielen brach von einem Tag auf den anderen das gesamte Business weg, wie zum Beispiel der Gastronomie oder der Hotellerie. Auch für Friseure etwa oder kleine Läden, die keinen Onlineshop haben, ging es plötzlich ans Eingemachte. Aber auch große Konzerne traf es mit hohen Umsatzeinbußen zum Teil schwer.

Viele von ihnen wurden – und werden nach wie vor – durch Corona gezwungen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und in rasender Geschwindigkeit zu überarbeiten. Und vieles davon wird uns auch nach Corona erhalten bleiben: Ich denke, die Angebote zum Homeoffice werden in vielen Unternehmen ausgebaut (hier dazu das spannende Interview mit einer Gründerin, die von Anfang an aufs Homeoffice setzte.) Geschäftsreisen innerhalb Deutschlands werden wahrscheinlich weniger und digitale Angebote und Tools weiter ausgebaut. Meine Fitnesstrainerin musste während des Lockdowns auch ihr Studio schließen. Sie bot daraufhin Kurse im Internet an und hatte mehr Anfragen als zuvor.

Mein Learning als Geschäftsfrau durch Corona: Aus Hürden muss man versuchen, das Beste zu machen. Innovationen entstehen oftmals in Krisen – und lassen uns gestärkt daraus hervorgehen.

4. Wir gehen freundlicher miteinander um

Ich bin fest davon überzeugt, dass uns Corona Höflichkeit und Achtsamkeit beigebracht hat. Beim Einkaufen fährt dir niemand mehr mit dem Wagen in die Hacken und keiner rempelt dich einfach so an, ohne es überhaupt zu bemerken. Versteht mich nicht falsch: Natürlich sehne ich mich nach Tag X, an dem der körperliche Kontakt zu anderen kein Gesundheitsrisiko mehr darstellt und wir ihn wieder voll genießen können. Wir Menschen brauchen Körperlichkeit und Nähe! Aber in den vergangenen Wochen ist ein höflicher Abstand entstanden, den ich immer vermisst habe. Und ich glaube, dass uns dieser oder zumindest das Bewusstsein füreinander auch nach Corona erhalten bleibt. Wir achten mehr auf Risikogruppen, auf Schwache, auf Alte – und auf den Menschen vor uns in der Supermarktschlange. 

5. Nur gemeinsam sind wir stark

Wie ist es um eine Gesellschaft bestellt? Diese Frage lässt sich leicht in einer Krise beantworten, in der es darauf ankommt, zusammenzuhalten. Mich hat es unwahrscheinlich berührt, wie eine Welle der Solidarität Deutschland erfasste. #stayathome war das Schlagwort der Stunde und ich spürte ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn klar ist: Nur zusammen werden wir diese Krise bewältigen können. Ich hoffe, dass dieser Zusammenhalt auch nach Corona bestehen bleibt. Jedes Team, jede Familie, jede Sportmannschaft und eben jedes Land ist nur so stark wie das schwächste Glied. Also packen wir alle mit an, lassen niemanden zurück und geben unser Bestes. Das predige ich auch immer im Business: It’s time for sisterhood – zusammen ist man stärker!

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Kommentare

  1. Kathrin Bungert 15.05.2020, 18:47

    Liebe Judith,
    ich bin Mutter zweier Kinder. Der kleinste ist 3. Wir sind in der letzten Zeit schon mal an unsere Grenzen gekommen als Eltern, um alles bestens zu meistern und einiges blieb liegen. Dafür hatten wir mehr Zeit für uns. Auch beruflich war es spannend. Schlechte Energien habe ich zeitweise sehr schwer vertragen. Mir war es wichtig, die Menschen in meinem Umfeld gut durch diese Zeit zu tragen. Ich arbeite mit Kindern, da ist dies umso wichtiger. Ich bin stolz auf alle. Wir haben soziales Lernen so nebenbei erlernt. Montag gehts wieder so. Da sehen und hören wir uns wieder nich mehr nur über soziale Medien. Freundlichkeit, Mut und Geben…und man ist immer wieder überwältigt….alles kommt zurück. Wir werden besser. Liebe Grüße Kathrin

    • Liebe Kathrin,

      vielen Dank für deinen unglaublich liebevollen Kommentar! ❤️
      Wir wünschen dir weiterhin alles Gute für die Zukunft.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

  2. Sehr schön geschrieben und ich hoffe, dass die positiven Effekte – alles was uns in der Krise zusammengeschweißt hat, alles was innovativ angegangen wurde und sich als gut und praktikabel herausstellt bleibt bzw. weiterentwickelt wird.

    • Liebe Ute,

      wir danken dir für deinen tollen Kommentar und wünschen dir von Herzen alles Gute für die Zukunft.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

  3. Das war wieder ein sehr schöner Block. Ich wünsche mir auch das wir auch nach Corona wieder Achtsam miteinander umgehen 😘

  4. Claudia Nickel-Zimmer 15.05.2020, 12:39

    Liebe Judith, ich teile deine Meinung, besonders, dass man jetzt die Chance nutzen sollte, s
    eine Strategie zu überprüfen. Krise = Chance war schon immer mein Motto und das hat mich immer durch die Krisen die im Leben kommen können, getragen. Liebe Grüße von Claudia, von frag_rosalie

    • Liebe Claudia,

      das ist toll und im Idealfall sollte es auch so sein, dass wir Krisen als Chancen wahrnehmen.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

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