Hajo Schumacher-Männer und Frauen, vereinigt euch!

Männer und Frauen, vereinigt euch!

Männer gegen Frauen, Frauen gegen Männer? No way! In unserem Interview sagt der Journalist Dr. Hajo Schumacher und Autor des Buches „Männerspagat“: Geschlechterkampf, nein danke! Er findet: Es geht nicht darum, Männer gegen Frauen auszuspielen. Die klugen Männer und Frauen sollten sich lieber verbünden – „gemeinsam gegen die Blöden“.

Dr. Hajo Schumacher im Interview

Redaktion:Sie setzen sich für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein. Viele bezeichnen Sie daher als Feministen. Freut Sie das?

Dr. Hajo Schumacher:Ich habe immer Schwierigkeiten mit dieser Bezeichnung, zum einen versteht jeder unter „Feminist“ etwas anderes, zum anderen bringt uns diese Etikettierung überhaupt nicht weiter. In Sachen Gleichberechtigung erleben wir aktuell eher Stillstand. Nehmen Sie nur mal den Gender-Pay-Gap: Es lässt sich mit soliden Zahlen belegen, dass Männer und Frauen unterschiedlich bezahlt werden. Lasst uns diese Lücke schließen – ob das am Ende Feministen oder alte weiße Männer durchgesetzt haben, ist doch ziemlich egal.

Redaktion:Wie sehen Sie insgesamt das Verhältnis zwischen Mann und Frau?

Dr. Hajo Schumacher:Am Ende geht es natürlich um viel mehr als nur diese Einkommensfrage, es geht um ganze Biografien. Wie stellen wir zum Beispiel sicher, dass Frauen, die nun mal die Kinder kriegen, später bei den Rentenzahlungen gerecht behandelt werden, da sie andersberufstätig waren als die Männer? Da gibt es noch eine ganze Menge zu lösen.

Redaktion:Und wie klappt das?

Dr. Hajo Schumacher:Wir müssen erst einmal eins verstehen: Es geht nicht darum, Männer gegen Frauen auszuspielen. Das ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Die klugen Männer und Frauen müssen sich gemeinsam gegen die Blöden verbünden.

Redaktion:Was ist der erste Schritt?

Dr. Hajo Schumacher:Erst einmal zu akzeptieren, dass das Patriarchat existiert. Natürlich leben wir immer noch in einer männerdominierten Welt und das haben wir alle viel zu lange überhaupt nicht so klar gesehen. Die katholische Kirche hinterfragt das seit 2000 Jahren nicht. Zum Glück stellen inzwischen viele Menschen fest, dass wir das überwinden müssen – und zwar nicht aus religiösen oder kulturellen Gründen, sondern weil wir vernünftig sind. Das lässt sich auch wirtschaftlich begründen: Es ist doch kompletter Unsinn, der Hälfte der Bevölkerung gewisse Jobs vorzuenthalten. Das ist ökonomisch betrachtet eine unfassbare Verschwendung von Ressourcen!

Redaktion:Braucht es eine Frauenquote, um das durchzusetzen?

Dr. Hajo Schumacher:Ich bin kein Fan der Quote. Ich halte es schon für juristisch schwierig, damit etwa in die unternehmerische Freiheit einzugreifen. Aber als Übergangslösung ist die Quote sicher ein überlegenswertes Instrument. Ausgerechnet in der Politik gibt es eine ganze Reihe starker Frauen, die sich zu helfen wissen, auch und gerade in der EU.

Redaktion:Frauen sollten also einfach Frauen einstellen?

Dr. Hajo Schumacher:Genau. Mit den Methoden der Männer: mit Hilfe von Seilschaften, Absprachen und allem, was dazu gehört. Frau Merkel ist in dieser Hinsicht womöglich die gerissenste Feministin überhaupt, wenn man sich ihre Personalpolitik anschaut.

Redaktion:Vor gut zwei Jahren hat das Bundesinnenministerium ein Bild seiner neuen Führungsmannschaft veröffentlicht. Darunter zu sehen Horst Seehofer und ….

Dr. Hajo Schumacher:… eine ganze Reihe alter weißer Männer in schlechtsitzenden Anzügen, ja. Das Bild hat sehr deutlich gezeigt, dass es immer noch eine ganze Menge an Männern gibt, denen das Bewusstsein für Gleichberechtigung und Diversität fehlt. Der Aufschrei und auch Spott in den sozialen Netzwerken damals waren riesig. Von daher finde ich das Bild sogar gut: Es hat eine pädagogische Wirkung, sowas werden die nicht nochmal machen. Das alles ist übrigens auch eine Generationenfrage. Ich selbst bin Jahrgang `64, ich bin aufgewachsen mit Polit-Patriarchen wie Franz-Josef Strauß oder Helmut Kohl. Wenn ich mir all die Schülerinnen, Studentinnen und jungen selbstbewussten Frauen von heute anschaue, kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass es sowas nochmal geben wird.

Passendes Buch

Hajo Schumacher-Männer und Frauen, vereinigt euch!

Dr. Hajo Schumacher, geboren 1964, studierte Journalistik, Politologie und Psychologie. Von 1990 bis 2000 arbeitete er beim Spiegel, von 2000 bis 2002 war er Chefredakteur von Max. Er ist Journalist, TV-Moderator und Autor zahlreicher Bücher. Unter seinem Pseudonym Achim Achilles eroberte er mit Achilles´ Verse und Laufberater die Bestsellerlisten. Dr. Hajo Schumacher lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Berlin.

Copyright Portrait: Anatol Kotte Hamburg/Berlin

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