Im Interview mit Judith
zum Thema Kritik

Bei „Die Höhle der Löwen“ ist es Judiths Aufgabe, Start-ups als Investorin Feedback zu geben. Jetzt dreht sich die Rolle für sie um: Von den Juroren Jorge Gonzalez, Motsi Mabuse und Joachim LLambi bekommt Judith bei „Let’s Dance“ eine Bewertung für ihren Tanz. Wie es sich anfühlt, wenn diese – wie kürzlich von Herrn Llambi – auch mal kritisch ausfällt, erzählt sie ganz offen bei einem Gespräch.

Ich würde gerne über das Thema Kritik mit dir sprechen. Wie empfindest du das Feedback der Jury bei „Let’s Dance“?
Ich empfinde es als sehr hilfreich. Ja, eigentlich wünsche ich mir sogar, sie würden mir noch mehr Anhaltspunkte geben: Ich habe ja noch nie mit Profitänzern in dem Bereich gearbeitet. Ihr Blickwinkel ist ja ein ganz anderer als meiner. Und wenn sie mich nur loben, fehlt mir der Ansatzpunkt, was verbessert werden kann. Und dafür möchte ich gerne wissen, wo ich ansetzen und wie ich weiterkommen kann. Ich möchte ja hundert Prozent abliefern!

Foto: MG RTL D / Guido Engels

Herr Llambi hatte einen sehr scharfen Ton, als er Dir sagte, dass Du an Deinem Ausdruck arbeiten sollst.
Mir hat die Kritik von Herrn Llambi sehr geholfen. Ich bin ihm sogar dankbar für seine Härte. Wirklich, ich habe das ganz gerne, vor allem wenn ich es mit jemandem zu tun habe, der Ahnung hat. Was fehlt? Der Ausdruck. Wenn ich das weiß, dann arbeite ich in der Woche daran. Und in einer Unterhaltungs-Show ist es sowieso etwas anderes – da müssen Tränen fließen, das gehört dazu. Dann ist es für den Zuschauer auch richtig spannend.

Als Chefin von Mitarbeitern musst du auch manchmal sagen, wenn etwas nicht passt. Wie machst du das?
Ich glaube nicht wirklich an Kritik in dem Sinne. Sondern eher, dass man Wünsche äußert, wie man besser unterstützt werden kann. Und somit sagt man nicht mit dem erhobenen Zeigefinger: „Du hast dies und das falsch gemacht“, sondern viel eher: „Ich brauche hier und da noch Unterstützung.“ Das gibt dem Menschen eine andere Möglichkeit zu reagieren.

Damit es sich nicht so persönlich anfühlt?
Genau – statt sich angegriffen zu fühlen, und zu denken „Oh, das habe ich falsch gemacht, was mache ich jetzt?“ Das hinterlässt immer ein negatives Gefühl.

Unterscheidet sich die amerikanische Feedback-Kultur von der deutschen?
Oh ja!!! In den USA wird das Positive bestärkt und das, was noch ausbaufähig ist – was gewünscht ist – wird beiläufig erwähnt. So bekommt das Gegenüber das Gefühl, dass gar nicht mehr viel fehlt zur Lösung. Ich finde das viel konstruktiver.

Von wem bekommst Du denn im Geschäftsleben Kritik?
Natürlich von meinen Partnern. Und wenn ich auf Sendung bin, gibt es bestimmte Auflagen, die ich erfüllen muss. Das betrifft vor allem die Art und Weise, wie ich präsentiere. In Deutschland ist das HSE24, in London QVC. Und da gibt es immer Wünsche, wie etwas umgesetzt werden soll.

Bei DHDL schaffst Du es, den Kandidaten Absagen zu erteilen, ohne sie zu verletzten. Was ist dein Ansatz?
Wertschätzung! Das ist das Zaubermittel, egal ob es um ein Interview, eine Vorführung oder um eine andere Aufgabe geht: Die Frage ist immer: „Hat’s gepasst, war das ok so?“ Die Leute wollen wissen, ob sie gut abgeliefert haben. Das ist absolut wichtig. Und dann ist es auch entscheidend, sie in diesem Punkt zu bestärken.

Wer ist Dein größter Kritiker?
Das ist meine Familie. Die machen das liebevoll, sind aber trotzdem kritisch. Meine Kinder sind darin wunderbar und dafür bin ich ihnen dankbar.

Interview von Michaela Gerganoff

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