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Maison Héroïne: Unsere fünf Tipps für Gründer

Braucht die Welt noch weitere Taschen? Aber hallo! Anton und Sina Jurina zeigen mit ihrer Brand „Maison Héroïne”, wie man ein altes Produkt neu erfinden kann. Wir haben sie zum großen Interview getroffen. Hier erzählen sie ihre Geschichte und verraten ihre besten Ratschläge für angehende Gründer.

Gibt man bei „Google” das Wort „Handtasche” ein, erscheinen mehr als 25 Millionen Treffer. Ein BWL-er würde wahrscheinlich nüchtern sagen: Markt gesättigt. Anton Jurina wagte das Experiment trotzdem: Nichts weniger als die Neuerfindung der Tasche hat er sich vorgenommen. Doch der Reihe nach.

2007 gründete Anton zusammen mit einem Kommilitonen das Öko-Modelabel Armedangels: Mit nachhaltig produzierten T-Shirts griffen die damaligen BWL-Studenten die ganz großen Platzhirsche der Modebranche an – mit Erfolg. Das Label hat sich als eine der bekanntesten und umsatzstärksten Fair-Fashion-Brands auf dem Markt etabliert. 2014 stieg Anton aus und machte sich erneut selbständig. Zusammen mit einem kleinen Team – alle auf Freelance-Basis – gründete er 2015 „Maison Héroïne”. Zwei Jahre später stieg seine Frau Sina ins Business mit ein. Heute haben sie neun feste Mitarbeiter und ihre Marke hat einen festen Platz im Handel.

Wir treffen Sina und Anton zum großen Interview und fragen sie nach ihren Erfolgsgeheimnissen: Was können andere Gründer von ihnen lernen?

Ratschlag 1: Finde eine klare Nische

Als Anton auf der Suche nach einem Produkt für seine Unternehmensgründung war, musste er nur seine Frau Sina beobachten. Sie schleppte immer zwei Taschen mit sich herum: eine für den Laptop und eine für den ganzen Rest. „Eine Tasche, die zwar für das Office funktionierte, aber gleichzeitig feminin-schick war, gab es zu der Zeit auf dem Markt nicht”, erzählt Anton. Klassische Aktentaschen fand Sina nicht schön, reine Handtaschen waren ihr nicht praktisch genug. Eine Umfrage unter fast 100 Freundinnen und Bekannten ergab: Da gibt es tatsächlich eine Lücke. Dasselbe Feedback bekam er aus dem Handel. Das Thema „feminine Businesstasche” schien nicht besetzt.

„Die Neuerfindung der Business-Tasche war unsere klare Nische, auf die wir uns am Anfang fokussiert haben”, erzählt Anton. „Aus dieser Nische heraus haben wir eine Community aufgebaut, erste Fans gewonnen. Und im Anschluss konnten wir die Marke um das ursprüngliche Produkt herum entwickeln.” So bietet Maison Héroïne heute unter anderem auch Shirts und Hoodies an. Und sogar eine Kooperation mit einem Nagellack-Hersteller sind sie eingegangen.

Learning: Gehe zunächst spitz mit einem Produkt auf den Markt und wachse erst danach breiter.

Ratschlag 2: Gehe keine Kompromisse ein

„Die Qualität ist das A und O”, predigt Judith mantramäßig in „Die Höhle der Löwen”. Nur Produkte, die vollends überzeugen, gewinnen Fans – und erzeugen so einen Sog. Deshalb ist diese Denke bereits in der Entwicklung eines Produkts entscheidend. Faule Kompromisse? Bloß nicht!  Sina und Anton mussten aus diesem Grund zu Beginn ihres Startups mehrere Schlaufen drehen. Denn: Die Designerin, die sie mit der Gestaltung beauftragt hatten, erfasste die Idee nicht richtig. Die Taschen sahen nicht so feminin aus, wie sie es sich vorgestellt hatten. Auch ein zweiter Anlauf mit einer neuen Designerin scheiterte. „Also jedes Mal: Mülltonne auf und alles rein”, erzählt Sina lachend. Sie fingen noch einmal ganz neu an und gingen für ihre Suche extra nach Mailand, schließlich ist die Stadt bekannt für ihre Kreativszene und Lederindustrie auf Premiumniveau. Ihre Mühen waren erfolgreich: Die dritte Designerin verstand die Marke sofort – und wurde engagiert.

Learning: Es lohnt sich, in der Produktentwicklung the extra mile zu gehen. Je ausgereifter und liebevoller das Produkt gestaltet ist, umso eher wird es vom Markt später angenommen.

 

Ratschlag 3: Sei mutig

Wie bitte? Eine Tasche, die Werbung für Drogen macht? Das ist ja unerhört! Wer den Markennamen „Maison Héroïne” zum ersten Mal sieht, muss in der Regel zweimal hinsehen. „Am Anfang kamen schon oft Fragen, was es mit dem Namen auf sich hat”, erinnert sich Sina. Aber inzwischen seien sie weniger geworden. Schließlich hat auch „Héroïne” nichts mit der Droge zu tun, sondern ist schlicht das französische Wort für „Heldin”.

„In der heutigen Zeit, wo es scheinbar alles gibt, muss man mit seiner Marke auffallen”, erzählt Anton. „Dafür gibt es verschiedene Stilmittel. Wir setzen auf ein klassisches Design – und dafür knallt der Name. Auch wenn jemanden dieser nicht sofort einfällt, durch die Begriffe  ‘Tasche und irgendwas mit Drogen’ landet man bei Google auf jeden Fall bei uns”, lacht der Gründer.

Learning: Man muss polarisieren, um im Strudel des Überangebots herauszuragen.

Ratschlag 4: Habe eine Haltung

Wie auch Fleisch hat Leder keine gute Ökobilanz. Der CO2-Ausstoß und der Wasserverbrauch sind enorm. Für Anton und Sina – Überzeugungstäter in Punkto Nachhaltigkeit– war daher von Anfang an klar: Sie wollen recyceltes Leder für ihre Taschen nutzen. Also Leder, das in der Produktion als Abfall entsteht (und damit normalerweise weggeschmissen wird). Nun wird es aufbereitet und kann wieder verwendet werden. „Die Vorstellung ist doch super: Aus dem, was andere wegwerfen, machen wir ein Premiumprodukt”, sagt Anton. „Außerdem kann die Branche einfach nicht mehr so weiter arbeiten, da muss etwas passieren.” Doch so einfach wie die beiden es sich vorgestellt hatten, war es nicht. Das entwickelte Leder überzeugte die beiden zunächst nicht. Doch anstatt die Idee zu verwerfen, blieben sie dran, tüftelten weiter, steckten Geld in die Entwicklung – und waren erfolgreich. 2020 ist das erste Jahr, in dem das gesamte Sortiment aus recyceltem Leder hergestellt wird. „From waste to luxury – wir hoffen, dass wir mit gutem Vorbild vorangehen und viele Nachahmer finden”, sagt Anton.

Learning: Frage dich, für welche Werte du stehst und mach diese in deinem Produkt sichtbar.

Ratschlag 5: Sorge für eine gute Streitkultur

Drei Faktoren können dazu führen, dass ein Startup scheitert, erzählt Anton. Eine zu geringe Marktnachfrage, zu wenig Geld zum Weiterarbeiten sowie Unstimmigkeiten im Gründerteam. Vor allem den letzten Punkt hat man komplett in der Hand – schließlich ist man ja direkter Teil davon. Sina und Anton sind jetzt nicht nur Geschäftspartner, sondern auch privat ein Paar. Daher die Frage an die Pros: Wie funktioniert das? Die Antwort: mit einer guten Streitkultur. Heißt: Jeder darf seine Meinung sagen, ohne dass der andere es persönlich nimmt. Diese Haltung überträgt sich auch ins Team. „Wir sind alle sehr geraderaus und jeder sagt, was er denkt”, erzählt Sina. „Am Ende sind sich nicht immer alle einig, aber in dem wir um das beste Ergebnis ringen, entstehen auch in Krisenzeiten viel bessere Lösungen.”

Learning: Die Gründer entscheiden maßgeblich darüber, wie ihr Team funktioniert. Lege dafür zu Beginn klare Kommunikationsregeln fest.

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