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"Perfektionismus lähmt uns"

Wir erreichen die Bestsellerautorin und Glücksforscherin Maike van den Boom für das Interview (natürlich telefonisch!) in Stockholm, wo sie seit zwei Jahren lebt. Sie verrät uns, was gerade wir Deutschen durch Corona lernen können und warum jetzt die beste Zeit ist, neue Rituale im Leben zu etablieren.

Maike van den Boom im Interview

Redaktion:Das Wichtigste in diesen Tagen: Wie geht es dir?

Maike van den Boom :Blendend. Ich habe zwar kaum Aufträge gerade, weil ich ja davon lebe, dass ich als als Rednerin bei Veranstaltungen auf der Bühne stehe, aber gesundheitlich ist alles bestens, danke!

Redaktion:Hat dich die berufliche Situation aus der Bahn geworfen?

Maike van den Boom :Am Anfang schon,  jetzt sehe ich sehe es als Chance an, mal aus der Komfortzone gekickt worden zu sein. Bisher wollte ich nie wirklich strukturell digital arbeiten, jetzt erarbeite ich mit meinen Partnern ganze online Konzepte. Auch ein neues Buch will ich wieder schreiben. An mir selbst erlebe ich gerade, wie kreativ man sein kann – wenn man muss. (lacht)

Redaktion:Du bist Glücksforscherin und eine deiner Thesen ist genau das: Krisen können glücklich machen. Das musst du erklären!

Maike van den Boom :Ich glaube, dass jeder von uns in Zeiten wie diesen herausfinden kann, was er wirklich will. Diesen Effekt hat man zum Beispiel an den Isländern gesehen, die es mit der Finanzkrise 2008 ja wirklich heftig erwischt hat. Nachdem das tiefe Tal durchschritten war, hat man damals im ganzen Land Workshops veranstaltet und die Leute befragt, wie sie in Zukunft leben wollen. Das Ergebnis: Sie wollten gar nicht mehr auf das wirtschaftlich hohe Vorkrisenniveau zurück, sondern es war ihnen nun viel wichtiger, mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben. Aber klar: Wenn man mitten in der Krise steckt, macht sie einen nicht glücklich. Dafür später umso mehr, denn sie zwingt uns dazu, das Leben nochmal neu zu justieren und die Prioritäten neu zu setzen. Krisen machen also nicht zwingend unglücklich. Auch das Glücksniveau der Isländer hatte sich übrigens durch die Krise nicht geändert.

Redaktion:Du sagst, dass gerade wir Deutschen von der Krise profitieren können.

Maike van den Boom :Ja, denn Perfektionismus ist ja eine Kernkompetenz von uns Deutschen und ein Grund für unseren heutigen Erfolg. Wir lieben es, die Kontrolle zu haben. Jetzt merken wir: Wir können das Leben nicht unter Kontrolle halten. Das ist für viele sicher eine bittere Lektion, aber ich bin fest davon überzeugt, dass sie uns guttun wird. Wir lernen, loszulassen, uns auf die Zukunft einzulassen und milder zu uns selbst zu sein.

Redaktion:Sind wir denn sonst zu streng mit uns?

Maike van den Boom :Stell dir vor, du bist dein bester Freund. Wie hart würde dann dein Urteil ausfallen? Wir gehen mit anderen viel nachsichtiger um als mit uns selbst. Lasst uns deshalb milder mit uns selbst sein. Das Homeschooling der Kinder läuft nicht optimal? Ja, und? Das ist doch kein Weltuntergang. Be kind to yourself! Ich glaube auch, dass genau diese Einstellung immens wichtig für die Zukunft ist. Wir müssen uns auf rasend schnelle Entwicklungen einstellen – gerade was die Digitalisierung angeht, da müssen wir wendig und flexibel sein, um mithalten zu können. Perfektionismus lähmt uns nur.

Redaktion:Die Krise als Chance: Das klingt zwar super, aber muss man sich diese optimistische Sicht nicht auch leisten können? Es gibt schließlich viele, die ihren Job verloren haben und manche trauern auch um geliebte Menschen.

Maike van den Boom :Natürlich, wenn man jemanden verliert, dann ist das furchtbar und da gibt es selbstverständlich auch nichts Positives dran. Ich beziehe mich auf wirtschaftlich schwierige Lagen. Für mein Buch (Anmerk. d. Red.: siehe Info-Kasten) habe ich zum Beispiel Menschen in Mexiko besucht, die in Slums lebten, in Wellblechhütten. Eigentlich hätten diese Leute aus unserer Perspektive wirklich Grund gehabt, zu jammern. Aber sie wären nicht im Traum drauf gekommen. Ihre Devise: Gerade wenn es dir schlecht geht, musst du das Positive sehen und feiern, tanzen und Freunde treffen (auch digital). Wenn du in einer schlechten Lage bist und dir dann auch noch negative Gedanken machst, dann wird dir noch mehr Energie entzogen. Dann siehst du gar keine Möglichkeiten mehr.

 

Redaktion:Also positives Denken für alle?

Maike van den Boom :Absolut! Die Glücksforschung geht davon aus, dass 50 Prozent des persönlichen Glücksniveaus genetisch bedingt sind, 10 Prozent von der Situation beeinflusst werden, in der du dich befindest. 40 Prozent hast du jedoch selber in der Hand. Jeder kann sich innerhalb seines Radius überlegen, was er tun kann, um seine Situation zu verbessern.

Redaktion:Du sagst auch, dass jetzt die beste Zeit ist, um seine Gewohnheiten zu ändern.

Maike van den Boom :Wir Menschen sind ja Gewohnheitstiere und wirklich etwas zu verändern, kostet enorm viel Kraft. Jetzt aber kracht alles zusammen und wir können – im wahrsten Sinne des Wortes – neu bauen und müssen nicht mehr hier und da mal was flicken. Jetzt ist die Zeit, neue Rituale ins Leben zu bringen. Zum Beispiel könnte man sich vornehmen, jeden Tag um zehn Uhr Kaffee zu trinken und nur über Dinge zu sprechen, über die wir uns freuen. Es ist völlig in Ordnung, Schreckensmeldungen auszublenden. Sie entziehen uns nur Energie. Fokussiert euch lieber auf das, was euch im Leben Freude bereitet und was gut klappt. Und dann hört mal in euch rein? Warum macht euch diese Sache Spaß? Warum seid ihr in der Situation im Flow? Welche Lösungen funktionieren für euch bei welchen Probleme? Und dann übertragt ihr genau das auf andere Lebensbereiche – Schritt für Schritt.

Stay positive: Maikes One-Week-Challenge

Versucht, eine Woche lang keinen negativen Gedanken zu haben. Ihr werdet es nicht hinbekommen aber nehmt es mit Humor! Euch wird auffallen, wie viele Dinge wir am Tag so denken, die uns eher runterholen als aufpeppen. Jedes Mal, wenn ihr so einen Gedanken am Schlafittchen habt, nehmt ein wenig Anlauf und schmeißt ihn gedanklich zurück ins Hirn. Er darf wiederkommen – wenn er positiv ist. Beispiel: Jetzt habe ich auch noch so ein Skype-Meeting! Verwandelt das in: Toll, endlich gibt es mal eine soziale Ansprache. Damit trainiert ihr euer Gehirn, sich auf das Positive zu konzentrieren.

Passendes Buch

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Kommentare

  1. Ursula Havenith 18.06.2020, 14:23

    Interessanter Beitrag, positives Denken ist soo wichtig, immer und überall! LG Ulla

    • Liebe Ursula,

      vielen Dank für deinen Kommentar! ❤️
      Es freut uns sehr, dass dir unser Beitrag gefällt.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

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