Eine neue Aufgabe für Judith:
sich führen lassen

Ihr Lieben, wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Tanz, den ich eher für etwas langweilig und langsam hielt, der mich so sehr bewegen würde? Ihr habt vielleicht letzten Freitag „Let’s Dance“ gesehen: Die Rumba, die ich mit Erich zu „Every breath you take“ von The Police getanzt habe, hat bei mir während der Trainingswoche einen intensiven emotionalen Prozess ausgelöst. Jetzt kann ich euch sagen: Was auf den ersten Blick erstmal aussieht wie eine technische Herausforderung, hat in Wahrheit enorm tiefe Kraft. Ein neues Kapitel lag vor mir auf meiner spannenden Abenteuerreise…

Dancing with heart & Soul
Als ich nach Ostern mit dem Training anfing, wusste ich wenig über die Rumba, nur, dass der „Tanz der Liebe“ das Spiel zwischen Mann und Frau symbolisiert. Ich wusste irgendwie, dass wieder etwas Neues auf mich zukam – aber nicht was. Dieser erste Trainingstag nach der Show ist immer kribbelig aufregend und voller Erwartung, weil ich mich so auf den nächsten Tanz freue. Dass der neue Tanz hartes Training bedeuten würde, habe ich mir gedacht… aber dass in der Rumba so viel mehr steckt, hätte ich mir nie träumen lassen. Und natürlich – darauf legt Erich großen Wert – sind beim Tanzen nicht nur die Basics, also Technik und Körperhaltung wichtig. Es gehört auch ein ganz bestimmtes Mindset, also eine mentale Haltung dazu, um eine Choreografie zu perfektionieren und den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Er meinte, um die Rumba richtig zu tanzen, müsse ich loslassen. Also die Führung abgeben – in diesem Fall an meinen Tanzpartner, an Erich. Einfacher gesagt, als getan, wenn man es quasi ein Leben lang anders gelebt hat.

Immer stark sein
Ich habe in meinem Leben gelernt – und das habe ich wirklich verinnerlicht – dass ich mich am besten auf mich selbst verlasse. Und in meiner jetzigen Rolle als Unternehmerin bin ich es überhaupt nicht mehr gewohnt, Führung abzugeben. Ein Großteil der Männer, mit denen ich beruflich in der Vergangenheit zu tun hatte, waren meist aus einer ganz anderen Generation als Erich. Sie haben Frauen geheiratet, die alles für sie organisieren, die ihnen den Koffer packen und jeden Wunsch von den Augen ablesen. Für sie war eine Frau, die arbeitet und erfolgreich ist, völlig außerhalb ihres Rollendenkens. Wenn ich dann auch noch sagte: „Dies und das würde ich sehr gerne haben…“, dann haben sie mich gar nicht verstanden. Da musste es heißen: „So wird das gemacht!“. Um ernst genommen zu werden, musste ich dort fast schon männlich sein. Wie oft hatte ich Business-Meetings mit Männern – wir alle auf einer Ebene – und sie schauten zu mir und fragten: „Judith, kannst du uns einen Kaffee holen?“ Das würden Frauen umgekehrt niemals machen! Und in diesen Situationen dachte ich: „Sehr gerne hole ich euren Kaffee, aber das ist nicht mein Job! Warum holst du ihn dir nicht selbst?“ Am Anfang bin ich wirklich noch aufgestanden, bis ich gemerkt habe: Die nehmen dich gar nicht ernst, denn du bist nicht Teil des Gesprächs! Diese Lektion habe ich gelernt. Leider muss man sich bei dieser Generation Mann, Respekt und auf Augenhöhe behandelt werden immer wieder charmant einfordern.

Sich führen lassen – gar nicht so leicht
Mit dieser Lebenserfahrung stand ich nun beim Rumba-Training und Erich forderte mich auf, mich führen zu lassen. Und plötzlich merkte ich, dass mir hier – in dieser anderen Welt, beim Tanzen – die toughe Business-Judith im Weg steht.

Das alles ist wirklich neu für mich, eine große Herausforderung! Denn es geht diesmal nicht nur darum, körperlich fitter zu werden, und an meinem äußeren Ausdruck für die Tänze zu feilen. Ich musste und muss lernen, dass ein sich-Führen-lassen bei der Rumba anders ist, als Schwäche im Business. Das war nicht nur eine wichtige Erkenntnis für diesen Tanz, sondern, wenn ich ehrlich bin, auch wichtig für mein Leben.

Der Auftritt: die Business-Judith tanzte mit
Bei der Live-Show letzten Freitag war ich sicher, alles gegeben zu haben. Natürlich war ich extrem konzentriert und fokussiert auf all die Themen, mit denen ich mich auseinandersetzen musste. So scheint mein Auftritt für den einen oder anderen – insbesondere die Jury – doch kontrollierter gewirkt zu haben, als Erich und ich es gedacht hätten. Mir ist bewusst, dass vor mir noch eine Wegstrecke liegt: So eine tiefgreifende innere Veränderung – das geht eben nicht von heute auf morgen. Interessant ist aber, dass sich mein Blick auf den Tanz völlig verändert hat: Gerade, weil die Rumba so viel von mir abverlangt und so viel in Bewegung gebracht hat, liebe ich sie mittlerweile!

 

Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

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