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Vollzeit-Mutter: Wer ist das eigentlich?

Immer wieder höre ich einen Begriff, der mich etwas irritiert: „Vollzeit-Mutter“. Denn gemeint sind Mütter, die nicht berufstätig sind, sondern sich zu Hause um ihre Kinder kümmern. Ein komischer Ausdruck: Sind arbeitende Frauen denn keine Vollzeit-Mütter? Ich finde: Jede Frau sollte die Freiheit haben, sich für den Weg zu entscheiden, der am besten zu ihrem Leben passt!

Egal ob im Café oder an der Kasse im Geschäft: Immer wieder hört man Gesprächsfetzen, die so normal geworden sind, dass wir uns kaum noch über sie wundern. Sie gehen in etwa so:

„Und, arbeitest du schon wieder?“

„Nein, ich bin erstmal nur für die Kleine da, bis sie in die Schule kommt.“

„Wolltest du nicht arbeiten, sobald sie im Kindergarten ist?

„Ja, aber den Plan hab‘ ich verworfen. Ich bin jetzt Vollzeit-Mama!“

Wisst ihr, was mich an solchen Gesprächen immer ein wenig wundert? Es ist die Art, wie der Begriff „Vollzeit-Mutter“ verwendet wird. Das klingt immer so, als ob nur Frauen voll für ihre Kinder da sein können, die nicht arbeiten – sei es am eigenen Business oder in einer Anstellung. Und die „voll“ zuhause für die Kinder da sind. Für mich schwingt da immer eine Wertung mit. Ist es so, dass Frauen, die berufstätig sind, keine Vollzeit-Mütter sind? Mir tut es immer ein bisschen weh, wenn ich so etwas höre. Ich arbeite voll, aber ich bin auch voll für meine Kinder da!

Wer darf sich Vollzeit-Mutter nennen?

Jetzt mal etwas provokant gefragt: Ist es so unvorstellbar, dass man als Frau sowohl einer Arbeit nachgeht und dennoch eine „vollwertige“ Mutter ist? Warum wird nur von „Vollzeit-Mütter“ gesprochen, wenn die Frauen zuhause bleiben?

Ich weiß, das Thema ist ein ganz emotionales. Aber das zeigt auch: Es bewegt uns Frauen! (Und hoffentlich auch immer mehr Männer!)

Damit keine Missverständnisse entstehen: In keiner Weise will ich die Entscheidung einer Frau bewerten. Ganz zu Hause bleiben, direkt wieder anfangen in der Firma, halbtags zu arbeiten und den Kleinen in die Kita bringen, Homeoffice oder als junge Mutter gründen – you name it. Hey, es gibt sooo viele Möglichkeiten! Ich finde: Jede Frau hat das Recht, selbst über ihr Leben zu entscheiden – ohne dafür verurteilt oder überhaupt bewertet zu werden.

Jede Frau soll die Freiheit haben, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu leben!

Judith Williams

Arbeitswelt und Kinder: Das sollte kein Widerspruch sein!

Was mir bei der ganzen Diskussion immer wieder auffällt: Kinder sollten viel stärker in die Arbeitswelt integriert werden, finde ich! Müsste es nicht viel unkomplizierter für uns Frauen sein, unsere Kinder mit zur Arbeit zu bringen? Und sollte es nicht ganz normal sein, dass wir die Kinder dann direkt bei der Arbeit oder ganz in der Nähe in eine Kinderkrippe bringen können? Eben!

Es gibt heute schon ganz viele Unternehmen, die ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten oder einen Kindergarten anbieten – und die Mitarbeiter honorieren das. Etwa, indem sie diesen Arbeitgebern länger treu bleiben oder besonderen Einsatz zeigen. Und, das ist ein schöner Nebeneffekt: Wer es seinen Mitarbeitern ermöglicht, Familie und Beruf zu vereinbaren, der wird mit einem Male als Arbeitgeber viel attraktiver, wie zum Beispiel die Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude, Antje von Dewitz, berichtet. Damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen und sich nicht zwischen Beruf oder Kind entscheiden müssen, hat Vaude schon 2001 ein eigenes Kinderhaus mit Betreuung auf die Beine gestellt. Und daneben noch ein ganzes Paket an Möglichkeiten für Eltern geschnürt: Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Führung auch in Teilzeit oder Vertrauensarbeit.

Ich weiß natürlich auch: Nicht überall gibt es so gute Bedingungen für uns Frauen, Kind und Karriere zu vereinen. Nicht überall sind Unternehmen und Gesellschaft schon so weit.
Wichtig ist für mich, dass wir Frauen uns nicht vorschreiben lassen, wie wir unser Leben zu leben haben, sondern unseren eigenen Weg gehen. Für manche ist er zuhause bei den Kindern, für andere liegt er in der Kombination aus Familie und Beruf. Bei beiden Wegen gibt es tolle Mütter, echte Vollzeit-Mamas! Habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen und lasst euch nicht von den Vorstellungen anderer lenken.

Wie ist eure Meinung?

Wie blickt ihr auf das Thema? Empfindet ihr das ähnlich? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Schreibt mir doch gerne einen Kommentar! Mich würde es riesig freuen, von euch zu hören!

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Kommentare

  1. Katharina Bühringer 31.10.2019, 21:53

    Vielen Dank für diese Worte!
    Ich finde wichtig, dass jeder selbst entscheiden kann was er für richtig empfindet. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass manche Frauen auch nicht ganz ehrlich zu sich selbst sind. Es wird dann einfach gesagt, ja ich will daheim bleiben- aber in Wirklichkeit ist es einfach nur unmöglich einen adäquaten Job zu finden, der von den Arbeitszeiten, Arbeitsweg und vor allem von der Aufgabe her auch zu einem passen. Ich arbeite im Personalwesen und erlebe dies oft so. Und ja, mit Kindern ist arbeiten schon auch schwer/anstrengend und muss gut organisiert sein – ich hab 3 Kleinkinder, ich kann da mitfühlen;-)
    Wir unternehmen müssen hier in Zukunft viel mehr tun, weil uns einfach viel zu viele Ressourcen verloren gehen, das Recruiting neuer Leute und deren Einarbeitung zu teuer ist usw. Ich könnte die Liste noch lange weiter führen.

    • Liebe Katharina,

      lieben Dank für deinen Beitrag! Du hast so recht: Es ist vor allem von Unternehmensseite noch ein langer Weg zu gehen. Aber wir müssen diese Diskussion unbedingt führen und für die Sichtbarkeit der arbeitenden Mütter sorgen. In anderen Ländern funktioniert das auch. Hier hinken wir in Deutschland noch sehr hinterher und müssen die Voraussetzungen für die Mütter schaffen, damit sie den Spagat schaffen. Auch die Männer sind hier gefragt… Ein großes Thema. Wir werden uns diesem Feld bald noch ausführlicher annehmen. Besuch uns einfach regelmäßig.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

  2. Mir Begeisterung habe ich den Beitrag gelesen. Denn ich kämpfe oft mit mir selbst, um mich auch zu beruhigen, dass man darf, nicht in allen perfekt zu sein. Ich bin Mama von 2 kleinen Kindern, 3 und 1, und in leitender Position im Familienbetrieb. Viele würden sagen, das Geschäft gehört euch doch, warum machst du dich so verrückt und arbeitest wenn du entspannt mit den Kindern zuhause sein könntest. Ich sage, eben nicht. Als Selbstständiger muss man für sich UND seinen Mitarbeiter sorgen, man hat Verantwortung über andere Existenzen und nicht zuletzt ist das eigene Geschäft wie ein leibliches Kind. Ob ich damit meine Kinder vernachlässige? NEIN, denn alles was ich mache, tue ich mit Hingabe für sie und meine Familie, für ein erfülltes Leben und sichere Zukunft. Und ja, ich bin auch Vollzeit-Mama, manchmal 24h-Mama. Aber es ist alles für diese kleinen Wonneproppen alles Wert!

    • Liebe Lulia,

      lieben Dank für deine Worte! Wer ist schon perfekt!? Und wollen wir das – perfekt sein? All das, was du beschreibst sind Gedanken, die Judith auch immer hatte und hat. Wir Mitarbeiter erleben ihre Töchter öfter, da sie natürlich auch hin und wieder bei Events dabei sind. Selten haben wir so clevere, pfiffige und aufgeweckte Kinder erlebt. Es schadet ihnen nicht, wenn sie eine Mutter erleben, die ein Unternehmen führt. Im Gegenteil: Vorbild sein ist doch viel eindrucksvoller, als ihnen all die Skills beizubringen oder zu lehren. Das ist unsere feste Überzeugung. Bleib wie du bist! Wir glauben, du machst alles richtig, denn du liebst und sprichst von Hingabe! Eine schönere Basis gibt es nicht…

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

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