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Wabi-Sabi: Dieser Wohntrend lässt das Glück einziehen

Eure Gießkanne rostet, die Lieblingsteetasse hat einen Sprung und der Parkettboden eine Macke? Wunderbar! Der neue japanische Wohntrend Wabi-Sabi feiert das Unperfekte. Hier erkläre ich Euch, warum weniger manchmal mehr ist, wir uns von altem Ballast trennen sollten – und wie Eure Wohnung mit wenigen Handgriffen zum Happy Place wird.

Wenn von einem „Wohntrend“ die Rede ist, denkt man ja meistens sofort an konkrete Einrichtungstipps. All-Over-Kupfer ist dann angesagt, schwarze Küchen erobern plötzlich unseren Instagram-Feed und Marmor ist in aller Munde. Bei Wabi-Sabi geht es zwar auch um unsere Einrichtung, aber vielmehr um die Art und Weise, wie wir Gegenstände sehen – und letztlich auch auf unser Leben blicken. Darum ist Wabi-Sabi auch als Philosophie zu verstehen, die uns hilft, die Schönheit auch im Unperfekten zu entdecken und den Wandel von Dingen (und uns) nicht nur zu akzeptieren, sondern als das zu sehen, was er ist: eine große Chance, sich immer weiter zu entwickeln!

Was also bedeutet Wabi-Sabi? Zunächst beginnt es mit einem Ratschlag: Umgebe Dich nur mit Dingen, die glücklich machen. Ja klar, werdet ihr jetzt sagen: Das ist doch logisch, es so zu machen. Aber nehmt euch kurz Zeit und denkt über diesen scheinbar banalen Tipp einmal nach: Umgebt ihr euch wirklich nur mit Dingen, die euch glücklich machen? Hat sich im Laufe der Zeit nicht doch viel angesammelt, das einfach „da ist”? Ohne, dass es euch wirklich etwas bedeutet? Im Konzept von Wabi-Sabi geht es darum, dass Wohnungen nicht vollgestopft sein sollen, sondern Raum zum Atmen lassen. Höchste Zeit also, den nie benutzten Serviettenringen und der ollen Eiffelturmskulptur aus dem Urlaub Goodbyezu sagen!

Wir müssen nicht perfekt sein, um glücklich zu sein – weder äußerlich noch innerlich

Judith Williams

Der nächste Punkt dieser Philosophie bezieht sich auf unsere Wertschätzung Dingen gegenüber: Die Lieblingsteetasse hat einen Sprung, der alte Holztisch setzt Patina an und die Holzdielen, über die wir im Sommer so gerne barfuß laufen, quietschen immer etwas? Unser erster Reflex verleitet uns oft, die Dinge zu reparieren oder auszusortieren. Dagegen rät Wabi-Sabi, die Abnutzung oder das leicht Verfallene als etwas besonders Schönes zu sehen. Erzählt es uns nicht auch eine Geschichte? Zeigt sich nicht genau darin auch die Seele in den Dingen? Wir lernen so auch: Wir müssen nicht perfekt sein, um glücklich zu sein – weder äußerlich noch innerlich.

Wie gut dieser Blick tun kann, habe ich in unserem geliebten Italien erlebt. Als wir dort nach einer Immobilie Ausschau hielten, eroberte ein uraltes Haus unser Herz: Von außen ahnte man zwar, dass es einmal sehr prunkvoll ausgesehen haben muss, aber von innen war es schon leicht heruntergekommen. Der Vorbesitzer hatte seinen ganzen Müll dagelassen und die Bedingung war, dass wir das marode Haus genauso übernehmen wie es war. Allen Bedenken zum Trotz haben wir uns auf das Abenteuer eingelassen. Denn wir spürten, dass dieses Haus etwas hat: nämlich eine Seele. Mit viel Arbeit und gaaaaaaanz viel Liebe haben wir nach und nach alles entrümpelt und das Herz wieder freigelegt. Heute erstrahlt die alte Perle wieder in ihrer ganzen Schönheit.

Hat man den Wert des Unperfekten erkannt und sich von allem getrennt, was einem nichts sagt oder bedeutet, geht es in der Philosophie von Wabi-Sabi nun ans Einrichten mit neuen Stücken – natürlich nur, wenn das auch nötig ist. Wenn ja: Dann kauft nur Dinge mit Wohlfühlgarantie. Bodenlange Vorhänge, flauschige Kissen, Kuscheldecken und Teppiche, über die man gerne barfuß läuft. Besonders gut eignen sich Naturmaterialien wie Leinen, Wolle und hochwertige Baumwolle. Die Wände könnten etwas Farbe vertragen? Nur zu – aber gerne in beruhigenden Erdtönen wie Ocker, Taubengrau oder Zartrosa. Das bringt Klarheit und hilft Euch, Euren Fokus zu finden. Ist Euch übrigens schon aufgefallen, dass man überall gerade handgetöpferte Keramik sieht? Da steckt ganz viel Wabi-Sabi drin, schließlich sieht jeder Teller und jede Tasse anders aus… Und darf, siehe oben, auch bleiben, wenn mal eine Ecke abbricht.

Was mir ebenfalls besonders gut gefällt am neuen Wohlfühlwohnprogramm ist die Wertschätzung von Pflanzen. Die sehen nicht nur hübsch aus, sondern verbessern sogar das Raumklima. (Zu diesem Thema gibt es hier übrigens einen eigenen Artikel!)

Ihr seht schon, es braucht gar nicht viel, um aus eurer Wohnung einen happy place zu machen. Umgebt euch mit Dingen, die euch wirklich glücklich machen und lasst es zu, wenn Dinge sich verändern. Ihr und euer Leben müssen nicht perfekt sein.

Wichtig ist, Wabi-Sabi nicht gleich wieder als nächste Aufgabe auf der To-Do-Liste zu sehen. Vorsicht, Stress! Akzeptiertlieber auch mal den Ist-Zustand, weil er einfach schön ist. Auf seine ganz eigene Art. Das ist doch mal eine beruhigende Vorstellung, oder?

Angelehnt ist Wabi-Sabi an die buddhistische Zen-Praxis. Hier wie dort geht es um Einkehr und innere Ruhe. Je turbulenter unser Alltag, desto wichtiger ist ein Zuhause, in dem wir uns rundum geborgen fühlen und Energie tanken können. Die Zen-Mönche schufen im 16. Jahrhundert mit der Teezeremonie ein Ritual, das im Alltag für Gelassenheit und Harmonie sorgen sollte. Auch heute gilt: Durch kleine, bewusste Auszeiten finden wir wieder den Weg zu uns selbst – das geht übrigens auch mit einer Tasse frisch gebrühtem Kaffee!

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Kommentare

  1. Elisabeth Mayer 13.09.2019, 12:35

    Ein wunderbares Konzept, welches ich schon teilweise in unserem zu Hause lebe. 😊

    • live your dream Redaktion 26.09.2019, 15:48

      Liebe Elisabeth,

      vielen Dank für deine Nachricht.
      Es freut uns zu hören, dass dir dieser Wohnstil so gut gefällt wie uns.

      Herzliche Grüße,
      deine live your dream Redaktion

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