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Wildling Shoes: Wie eine Gründerin die Krise überwindet

Anna Yona hat sich einen Traum verwirklicht und ihr eigenes Unternehmen gegründet: Wildling Shoes, Hersteller von Minimalschuhen, arbeitete schon vor Corona anders – mit vielen Freiheiten für die Mitarbeiter, Home-Office als Standard und einer super engen Kundenbindung. In der Krise ist das ein Glücksfall.

Anfang März hatten wir schon einmal mit Anna Yona gesprochen. Darüber, wie es ist, ein Schuhunternehmen zu gründen – und das, ohne Ahnung von der Herstellung zu haben. Anna Yona hat ein besonderes Unternehmen mit einer besonderen Kultur aufgebaut: mit viel Freiheiten und Vertrauen für die Mitarbeiter und einer besonderen Bindung der Fans auf Social Media. Doch dann kam Corona. Wieder rufen wir Anna an, wollen wissen: Wie geht ein besonderes Unternehmen mit besonderen Zeiten um?

Anna, du hast mir schon bei unserem ersten Interview erzählt, dass die meisten eurer Mitarbeiter grundsätzlich im Homeoffice arbeiten. Wie funktioniert das genau? Ihr seid ja schließlich ein großes Unternehmen!

Wir haben eine eigene Logistik mit einem großen Warenlager. Die 25 Mitarbeitenden, die hier arbeiten, sind wirklich die einzigen, die morgens zur Arbeit fahren müssen. Alle anderen – über 100 Leute – arbeiten über ganz Deutschland verteilt in ihren eigenen vier Wänden. Freiheit und Selbstbestimmung waren mir und meinem Mann schon immer sehr wichtig und das Homeoffice ist die einfachste Möglichkeit, den Beruf und das Privatleben miteinander zu verbinden. Das wollten wir an unsere Mitarbeitenden weitergeben. Außerdem ist es doch sinnlos, sich morgens durch den Stau zu quälen, nur um dann an einem anderen Ort wieder ins Internet zu gehen. Das kann man doch auch von zu Hause aus – noch dazu entspannter und einfacher vereinbar mit dem Familienleben.

Wie muss ich mir das vorstellen? Eure Mitarbeiter können also im Homeoffice ganz alleine entscheiden, wann und wie sie arbeiten?

Ja, wir geben ihnen wirklich größtmögliche Freiheit. Wenn es morgens also länger dauert, die Kinder zur Kita zu bringen, fängt man eben später an. Das Argument, dass Leute im Homeoffice weniger arbeiten würden, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir müssen eher schauen, dass die Leute nicht zu viel arbeiten. Wenn da plötzlich jemand in einem Chat auftaucht, der eigentlich frei hat, gibt’s Ärger. (lacht)

Im Homeoffice kann einem ja aber auch manchmal die Decke auf den Kopf fallen.

Ja, das stimmt. In Köln und Berlin haben wir deshalb Co-Working-Spaces aufgemacht. Mitarbeitende, die Lust haben, mehr im Team zu arbeiten und öfter unter Leuten zu sein, können auch hier arbeiten. Aber wie gesagt: alles auf freiwilliger Basis. Man kann genauso gut zu Hause bleiben.

Durch Corona imitieren gerade viele Unternehmen euer Modell, allerdings eher zwangsweise.

Ich glaube, dass es gut ist, dass manche ins kalte Wasser geworfen wurden und jetzt sehen: Wahnsinn, es funktioniert, obwohl sich niemand darauf richtig vorbereiten konnte.

Glaubst du, dass sich nach Corona die Art, wie wir arbeiten werden, dauerhaft verändern wird?

Schön wäre, wenn Homeoffice die Regel werden wird und Unternehmen gleichzeitig Co-Working-Spaces zur Verfügung stellen werden – die Menschen wollen doch mal raus. Für beide Seiten ist es jetzt ein wichtiges Learning: Unternehmer merken, dass sie ihren Mitarbeitenden auch im Homeoffice voll vertrauen können und die Mitarbeiter sehen, was für eine große Flexibilität das Homeoffice mit sich bringt. Ich glaube, dass sie das nach Corona verstärkt einfordern werden.

Wird sich auch unser Konsum durch Corona verändern?

Nun, wenn alles vorbei ist, werden die Kaufhäuser sicher wieder voll sein. Das zeigt sich ja heute schon bei den ersten Lockerungen. Ich glaube aber trotzdem, dass sich die Werte verschieben. Wir werden jetzt auf das Wesentliche gestoßen und fragen uns: Was braucht es denn wirklich? Viele werden nach Corona sicher noch bewusster leben.

Bei „Wildling Shoes” verkauft ihr Minimalschuhe, auch bekannt als Barfußschuhe. Wie hat sich die Krise auf euer Geschäft ausgewirkt?

Ab der zweiten Märzhälfte war es heftig. Wir leben ja vom Onlinehandel und hatten plötzlich einen Einbruch von 30 Prozent in unserem Webshop. Unsere Offline-Standorte hatten wir auch vorsichtshalber schon geschlossen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Damit gingen noch einmal zehn Prozent verloren. Eigentlich wären wir gerade in die neue Saison gestartet und das Warenlager war voll. Da wir keine Investoren im Unternehmen haben und fast alle Gewinne ins Unternehmen stecken, waren kaum finanzielle Reserven da. Es war wirklich kritisch.

 

Corona wirft uns auf das Wesentliche zurück. Viele fragen sich gerade: Was brauche ich wirklich?

Anna Yona, Gründerin von Wildling Shoes

Was war das Schlimmste in dieser Phase?

Die Unsicherheit. Man weiß nicht, was Sache ist und für was man planen soll. So eine Situation hatten wir noch nie. Unsere größte Sorge war, dass die Logistik nicht mehr funktioniert. Da hatten wir wirklich Panik. Denn wenn wir nicht mehr versenden können, müssen wir dicht machen. Unser Plan war: Zur Not verschicken wir aus dem Homeoffice. Wir haben tatsächlich 20.000 Paar Schuhe deutschlandweit in den Garagen und den Wohnzimmern unserer Mitarbeitenden verteilt. Es war so bewegend zu sehen, wie alle an einem Strang gezogen haben und von überall ein „Ich hab hier noch Platz im Schrank” kam.

Heute, nicht einmal sechs Wochen nach dem Lockdown seid ihr aus dem Gröbsten raus. Wie habt ihr das geschafft?

Wir haben bei der Bank einen Kredit beantragt, um ein Polster zu haben. Dann haben wir die Produktion und Materialbestellung zurückgefahren, um Kosten zu sparen. Wichtig war aber, dass dadurch unsere Partner nicht in Schwierigkeiten geraten. Deswegen haben wir immer gefragt: Was funktioniert noch für euch? Und unser größtes Glück ist unsere treue Kundschaft.

Wie ist diese Treue entstanden?

Sobald nach unserer Gründung der Markenname eingetragen war, haben wir eine Facebook-Seite eröffnet. Hier konnten uns die Leute bei der Unternehmensgründung begleiten und parallel zur Produktentwicklung ist eine richtige Community entstanden. Von dieser engen Beziehung zu unseren Kunden profitieren wir jetzt enorm. Viele kaufen jetzt erst recht, um uns zu unterstützen. Außerdem sind unsere Schuhe natürlich kein Luxusprodukt wie zum Beispiel Abendkleider, die man jetzt ohnehin nicht ausführen kann. Schuhe braucht man einfach.

Wie würdest du eure Situation jetzt beschreiben? Seid ihr über den Berg?

Auch wenn unser Umsatz sich schnell regeneriert hat und jetzt fast wieder auf dem Niveau vor Corona liegt: Natürlich werden wir weiterhin Auswirkungen haben. Wir hängen in einer Lieferkette, die wir natürlich nur bedingt beeinflussen können. Viele Fabriken in Europa stehen kurz vor dem Existenzende. Und wenn eine davon zu unseren Zulieferern gehört, haben wie ein großes Problem. Man darf auch die Doppelbelastung im Team nicht vergessen. Neben der Arbeit müssen unsere Mitarbeitenden jetzt auch noch ihre Kinder zu Hause betreuen und Homeschoolen. Viele gehen auf dem Zahnfleisch. Wir appellieren immer an alle: Bitte meldet euch, wenn es nicht mehr geht. Dann finden wir eine Lösung!

Wie gehst du selbst mit Corona um?

Wir leben auf dem Land und sind von daher in einer absoluten Luxussituation. Die Kinder können im Garten spielen und kommen abends glücklich und mit dreckigen Sachen wieder rein. Meine Schwester lebt in Buenos Aires, wo es für alle eine Ausgangssperre gibt. Nur einmal am Tag darf eine Person aus einem Haushalt raus, um zum Beispiel einzukaufen. Ihre kleine Tochter schläft nicht mehr. Die Situation ist überhaupt nicht mit unserer zu vergleichen.

Gab es in dieser Zeit einen Moment, den du dennoch als schön empfunden hast? 

Meine andere Schwester lebt bei uns in der Nähe alleine und manchmal gehen wir – mit großem Abstand natürlich – im Wald spazieren. Einmal haben wir lange diskutiert, ob wir uns nicht einmal in den Arm nehmen können. Wir hatten zuvor seit Wochen keinen Kontakt zu anderen gehabt und sind gesund. Wir haben es dann einfach getan. Mitten im Wald.

Info Box 1:

Wir schreiben das Jahr 2015: Anna Yona und ihr Mann waren gerade von Israel zurück nach Deutschland gezogen, als sich ihre Kinder weigerten, konventionelle Schuhe anzuziehen – in Israel waren sie meist barfuß herumgelaufen. Aus einem Bedarf machte Yona kurzerhand ein Business – und entwarf Minimalschuhe. „Wildling Shoes” war geboren. Mit ihren Schuhen, die leicht und biegsam sind, trifft sie den Zeitgeist. Im Jahr 2019 verkaufte Wildling Shoes 150.000 Paar Minimalschuhe.

Info Box 2:

Wie geht Homeoffice? Wer sich diese Frage stellt, bekommt hier Antworten. Anna Yona hat ein kostenloses Digital-Coaching zum Thema Homeoffice erstellt. Die Aufzeichnung des Webinars kann über folgenden YouTube Link angeschaut werden. Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=7z0n9Szgjfo&t=439s und Q&A-Runde: https://www.youtube.com/watch?v=akzMqqSf1cg&t=4s

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