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„Frauen sollen ihre Kurven mit Stolz tragen“

Not macht erfinderisch! Christiane Seitz und Tiffany La konnten partout nichts in ihrer Konfektionsgröße finden. Also gründeten sie selbst eine Onlineplattform für Mode in Übergrößen. „Wundercurves“ hat heute 500.000 Nutzer im Monat und beschäftigt 25 Mitarbeiter. Ein Gespräch mit den beiden Gründerinnen über die Suche nach Investoren – und Power-Outfits.

Die Gründerinnen von Wundercurves im Interview

Redaktion :Hallo ihr beiden, schön, dass ihr Zeit für ein Gespräch habt. Könnt ihr noch mal kurz Eure Entstehungsgeschichte erzählen?

Wundercurves : 

Tiffany: Na klar! Wie viele Frauen gehen auch Christiane und ich gerne shoppen. Leider war das immer ziemlich frustrierend. Christiane trägt Größe 44, ich 46/48 und in unseren Größen haben wir nie etwas wirklich Modisches gefunden. Wer keine Modelmaße hat, ist praktisch gezwungen, sich altbacken zu kleiden, so nach dem Motto: Hauptsache verstecken! Und das, obwohl die Größe 42/44 sogar die Durchschnittsgröße deutscher Frauen ist! Online sah es nicht viel besser aus. Kurzerhand haben wir beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen! Wir wollten einen Ort schaffen, an dem alle fündig werden, die nicht die Größe 36 haben – was, Hand aufs Herz, die Mehrheit der Frauen betrifft.

Christiane: 2015 ging der erste Prototyp online, mit nur wenigen ersten Produkten, ein Jahr später dann die offizielle Website. Schon die Klickzahlen des Prototyps waren so vielversprechend, dass wir damit Investoren gewinnen konnten. Anfangs war Wundercurves eine Art Suchmaschine, die Kundinnen zu anderen Shops weiterleitete. Heute ist es hingegen ein Online-Marktplatz mit 500.000 Nutzern pro Monat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Onlineshops bieten wir zudem eine individuelle Beratung per Telefon: Wie lassen sich Problemzonen kaschieren, welches Modell der großen Kleiderauswahl passt zu meinem Figurtyp? Auch im Live-Chat oder per E-Mail beraten wir unsere Nutzerinnen auf der Suche nach dem neuen Lieblingsstück.

Redaktion :Wie genau lief die Gründung ab?

Wundercurves : 

Christiane: Eine große Hilfe war unser gemeinsamer Freund Stephan Schleuss, der uns als Geschäftsführer den Rücken freihält, in dem er die betriebswirtschaftlichen Themen wie Finanzen, Buchhaltung und Investor Relations leitet. Als wir ihm von unserer Idee erzählt haben, war er sofort begeistert, weil er da eine Marktlücke gesehen hat. Er war es auch, der sich deutschlandweit auf die Suche nach Investoren gemacht hat. Abgesehen von Stephan gehören noch fünf E-Commerce-Spezialisten, zum Beispiel Markus Miller und Matthias Geisler, zwei ehemalige Arbeitskollegen von Stephan, sowie unser Marketing Advisor Ulrich Kaleta zum Gründerteam von Wundercurves. Insgesamt waren wir also acht. Das hat uns von Anfang an ein gutes Gefühl gegeben – weil sich jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen konnte.

Redaktion :Welche Dinge haben Euch das Leben schwer gemacht?

Wundercurves : 

Christiane: Die Ungewissheit – man gibt seinen Job auf für etwas, dessen Zukunft völlig ungewiss ist. Ich habe zuvor in einem Hamburger Startup gearbeitet, war dann als Lektorin und Texterin selbständig, während es mit Wundercurves langsam losging. Ab der Investorenzusage habe ich mich voll auf unser Baby konzentriert. Rückblickend würde ich mir damit ein wenig mehr Zeit lassen. Vom Handschlag mit den Investoren bis hin zur konkreten Umsetzung kann es noch eine Weile dauern.

Tiffany: Bei mir war das anders. Ich habe nach meiner Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin bei einem Berliner Kunst-Startup gearbeitet. Ich bin dann erstmal von Vollzeit auf Teilzeit gegangen und habe dann meinen Vertrag ganz auslaufen lassen.

Christiane: Schwer gefallen ist mir vor allem auch das Auf-der-Bühne-stehen. Du redest über deine Idee vor einem riesen Publikum und versuchst, Investoren neugierig auf dein Konzept zu machen.

Redaktion :Wie genau hast Du diese Angst in den Griff bekommen, Christiane?

Wundercurves : 

Christiane: Indem ich alles tausend Mal durchgegangen bin. Gute Vorbereitung ist das A und O. Was will ich vermitteln? Welche Fragen könnten mir gestellt werden? Gepaart mit Leidenschaft für das eigene Produkt entsteht daraus eine unschlagbare Authentizität. Mir persönlich hilft es auch, mich wohl in meiner Haut zu fühlen. Konkret heißt das: hohe Schuhe, ein tolles, figurbetontes Outfit. Kleider machen Leute: Fühlst Du Dich wohl und selbstbewusst in Deinem Look, sieht man das auch!

Redaktion :Welche Erwartungen haben sich bestätigt, welche nicht?

Wundercurves : 

Tiffany: Mich hat es überrascht, wie sehr so eine Gründung das soziale Leben prägt. Logischerweise kostet die viel Zeit, wofür nicht alle Verständnis haben. Da zeigt sich schnell, wer zu deinem inner circle gehört und nicht böse ist, wenn du mal später zur Geburtstagsfeier kommst. Auch in meinem vorherigen Job habe ich viele Überstunden gemacht, aber jetzt ist es anders. Man macht es für das eigene Baby, nicht für seine Chefs.

Christiane: Ich hatte keine richtige Vorstellung, wie man ein Team von null an aufbaut, auch wenn ich schon Führungserfahrung hatte. Ich hatte Angst davor, nicht die richtigen Leute auszuwählen und nicht die nötige Strenge oder Durchsetzungskraft zu haben. Strenge ist dabei aber gar nicht so notwendig, es hat sich gezeigt, dass gute Einarbeitung, genaue Briefings, klare Zielvorgaben und eine offene Diskussionskultur essenziell sind – und das beim Thema Personalauswahl das Bauchgefühl und die Intuition genauso entscheidend ist, wie der Lebenslauf.

Redaktion :Habt ihr noch mehr Tipps für angehende Gründerinnen?

Wundercurves : 

Tiffany: Einfach machen. Trau dich! Raus aus der comfort zone!

Christiane: Fragen kostet nichts. Gerade am Anfang traut man sich oft nicht, um Hilfe zu bitten. Das ist Quatsch. Wir haben unglaublich viel Unterstützung bekommen.

Tiffany: Genau! Entsprechend wichtig ist es, zu netzwerken und beispielsweise zu Meet-ups zu gehen. Außerdem lohnt sich eine Recherche nach Förderprogrammen im eigenen Bundesland, gerade in der Anfangszeit ohne Investor. Die unterstützen einen in den unterschiedlichsten Bereichen, von der Ersteinrichtung des Büros bis hin zum Lohn für Mitarbeiter.

Redaktion :Welche Zukunftspläne habt ihr?

Wundercurves : 

Christiane: Wir wollen hin zum perfekten Einkaufserlebnis. Im Moment ist Wundercurves ein digitaler Marktplatz mit einer Auswahl von über 500.000 Produkten. Da kann es schon mal vorkommen, dass das Lieblingsoutfit von drei verschiedenen Herstellern zusammensetzt ist. Langfristig soll das anders werden. Wir wollen unseren eigenen Warenkorb immer weiter ausbauen und so viele Shops wie möglich auf unserem Marktplatz integrieren. Wir denken aber auch weiter: Wie wäre es, eine eigene Marke zu haben? Auch die Einbeziehung von Männern interessiert uns. Viele von denen tragen schließlich auch Übergrößen!

Tiffany: Im Moment sind wir noch auf finanzielle Mittel angewiesen. 2021 soll unser Unternehmen tragfähig sein. Abgesehen davon liegt uns der Body-Positivity-Gedanke sehr am Herzen. Konfektionsgrößen sagen nichts über Schönheit aus – Frauen sollen ihre Kurven mit Stolz tragen!

Auch in meinem vorherigen Job habe ich viele Überstunden gemacht, aber jetzt ist es anders. Man macht es für das eigene Baby, nicht für seine Chefs.

Tiffany La

Unsere Top-3-Tipps für angehende Gründer

1. Vernetzt Euch!
Kontakte sind das A und O. Die knüpft man zum Beispiel bei Start-up-Meetings oder Gründertreffen. Lasst euch nicht abschrecken beispielsweise vom Klischee, dass unter Frauen Stutenbissigkeit herrscht: Unsere Erfahrung ist, dass gerade Frauen sich gerne gegenseitig unter die Arme greifen.

2. Habt Geduld!
Das gilt für die Investorensuche genauso wie für die Kündigung des alten Jobs. Leider gilt auch fürs Gründen, dass aller Anfang schwer ist. Für die Zeit, in der das eigene Unternehmen noch keinen Gewinn abwirft, sorgt ein finanzielles Polster für ruhige Nächte.

3. Traut Euch!
Scheitern kann man immer ­– aber eben auch viel gewinnen. Darum: Arbeitet an einem positiven Mindset und glaubt an euch! Wir können euch auf jeden Fall ermutigen: Unser eigenes Unternehmen zu gründen, war die beste Entscheidung unseres Lebens!

 

Copyright: Anne Weinrich

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